Digitale Märkte · Dossier
Klarna und andere Online-Zahlungsdienstleister im Aufwind
Eine Folge der Pandemie: Mit dem Handel verschob sich das Bezahlen. Wie ein schwedischer Anbieter in wenigen Jahren zur zweiten Kraft im deutschen Onlinehandel wurde, und was an diesem Modell strittig blieb.
Der Aufstieg fiel in die Schließungsmonate
Klarna gehörte schon vor 2020 zu den bekannteren Bezahlverfahren im deutschen Onlinehandel, blieb aber eine Option unter mehreren. Das änderte sich, als Ladengeschäfte über Monate geschlossen waren und Bestellungen im Netz für viele Haushalte von der Ausnahme zur Regel wurden. Wer in dieser Zeit einen Shop betrieb, wollte den Bestellvorgang so kurz wie möglich halten, und Klarna bot genau das: Auswahl in einem Klick, Identifikation über das Onlinebanking, keine erneute Eingabe von Kartendaten.
In Umfragen zur Nutzung von Bezahlverfahren rückte der Dienst in den Folgejahren hinter PayPal auf den zweiten Platz, bei jüngeren Altersgruppen teils davor. Der Vorsprung von PayPal beruht dabei auf einem anderen Vorteil: Es ist älter, breiter akzeptiert und in der Wahrnehmung stärker mit Käuferschutz verbunden. Klarnas Wachstum kam nicht aus dem Vertrauensvorsprung, sondern aus der Reibungsarmut im Bezahlvorgang und aus dem Ratenkauf, den PayPal in dieser Form erst später nachzog.
Der deutsche Markt war für dieses Modell besonders empfänglich. Der Kauf auf Rechnung ist hier traditionell stärker verankert als in den meisten anderen europäischen Ländern, eine Gewohnheit aus dem Versandhandel des 20. Jahrhunderts, die den Anbietern die Einführungsarbeit ersparte. Neu war nur, wer die Rechnung stellte.
Kaufen jetzt, zahlen später: wie das Modell rechnet
Der Kern des Angebots ist ein Kleinkredit am Ende des Bestellvorgangs. Die Ware wird sofort geliefert, gezahlt wird innerhalb einer Frist oder in Raten. Wirtschaftlich tritt der Dienst zwischen Käufer und Händler: Der Händler erhält sein Geld und das Ausfallrisiko liegt nicht bei ihm, dafür zahlt er eine Provision. Für den Käufer entsteht eine Verbindlichkeit, die im Bestellvorgang nicht wie eine Kreditaufnahme aussieht, sondern wie eine Zahlungsart.
Genau in dieser Wahrnehmungslücke liegt der Streitpunkt. Wer bei fünf Händlern in einem Monat auf Rechnung bestellt, hat fünf offene Forderungen, die nirgends gemeinsam auftauchen. Verbraucherschützer verwiesen deshalb früh auf Mahnkosten, auf die Bonitätsprüfung im Hintergrund und auf die Frage, wie sich mehrere parallele Kleinkredite überhaupt erfassen lassen. Die überarbeitete EU-Verbraucherkreditrichtlinie von 2023 reagiert darauf: Sie erfasst auch zinslose Kleinbeträge und ist von den Mitgliedstaaten bis Ende 2026 anzuwenden.
Seriosität, Aufsicht und was der Dienst nicht weitergibt
Klarna Bank AB ist eine Bank mit schwedischer Zulassung und arbeitet in Deutschland auf Grundlage der europäischen Erlaubnis. Die Institutsaufsicht liegt damit primär bei der schwedischen Behörde; für den deutschen Markt ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht flankierend zuständig. Praktisch bedeutet das: Es handelt sich nicht um einen unregulierten Vermittler, aber auch nicht um ein Institut unter deutscher Vollaufsicht.
Technisch bleibt eine Eigenschaft für Käufer relevant: Die Kontodaten werden dem Händler nicht übermittelt. Wer über das Onlinebanking bezahlt, gibt seine Zugangsdaten allerdings in einer Oberfläche des Zahlungsdienstes ein, ein Vorgang, den Banken über Jahre als Sicherheitsrisiko bezeichnet hatten und der erst mit den europäischen Regeln zu Zahlungsauslösediensten einen rechtlichen Rahmen bekam. Voraussetzung ist in jedem Fall ein freigeschaltetes Onlinebanking; ohne dieses lässt sich der Dienst nicht nutzen.
Vor allem in Online Casinos war Klarna eine gefragte Zahlungsmethode
Über den Handel hinaus wurde der Dienst auch im Glücksspielbereich nachgefragt, weil Einzahlungen ohne die Wartezeit einer SEPA-Überweisung möglich waren, eine Beobachtung, die unter anderem onlinecasinosdeutschland.com für den deutschsprachigen Markt festhält. Attraktiv war dabei nicht der Ratenkauf, sondern die Geschwindigkeit: Der Betrag ist innerhalb von Momenten gutgeschrieben, zusätzliche Transaktionsgebühren fielen für den Nutzer in der Regel nicht an.
Rechtlich ist der Bereich seit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2021 klar abgegrenzt. Anbietern ist es untersagt, Spielern Kredit zu gewähren; kreditbasierte Bezahlmodelle sind damit für diesen Zweck ausgeschlossen. Was bleibt, sind Verfahren, die eine sofortige Zahlung vom eigenen Konto auslösen. Diese Unterscheidung zwischen Zahlungsauslösung und Kreditgewährung ist im Bestellvorgang eines Shops kaum sichtbar, für die Zulässigkeit im regulierten Glücksspiel aber entscheidend.
Welche Alternativen infrage kommen
Im deutschen Onlinehandel ist PayPal die am breitesten akzeptierte Alternative, verbunden mit einem eigenen Streitbeilegungsverfahren. Die Sofortüberweisung aus dem Onlinebanking bietet dieselbe Geschwindigkeit ohne Kreditkomponente. Karten, ob Debit oder Kredit, bleiben im internationalen Handel der verlässlichste Weg, seit der starken Kundenauthentifizierung allerdings mit einem zusätzlichen Bestätigungsschritt. Wallets wie Apple Pay und Google Pay setzen auf die hinterlegte Karte auf und ändern nur den Vorgang, nicht das Verfahren.
Für wiederkehrende Beträge ist die SEPA-Lastschrift weiterhin der Standard, und für Käufer, die Ware vor der Zahlung prüfen wollen, der Rechnungskauf direkt beim Händler, seltener geworden, aber ohne Dritten im Vorgang. Die Wahl richtet sich weniger nach Sicherheit, die bei allen genannten Verfahren gegeben ist, als nach der Frage, wem man welche Daten überlässt und ob eine Zahlungsverpflichtung entstehen soll, die über den Bestelltag hinausreicht. Eingeordnet ist diese Verschiebung im Strang zu den digitalen Märkten.