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Wirtschaft · Dossier

Die erfolgreichsten Geschäftsmodelle der Welt nach Covid 19

Anfang 2021 wurde viel darüber geschrieben, welche Modelle die Pandemie überdauern würden. Fünf Jahre später lässt sich prüfen, welche Prognosen trugen, und welche den Ausnahmezustand mit einem Trend verwechselten.

Die Prognosen vom Januar 2021

Zu Beginn des Jahres 2021 veröffentlichte das McKinsey Global Institute eine der am häufigsten zitierten Übersichten darüber, was nach der Pandemie als neue Normalität gelten werde. Genannt wurden unter anderem verteiltes Arbeiten, ein dauerhaft höherer Anteil des digitalen Handels, beschleunigte Investitionen in Automatisierung und eine stärkere Verknüpfung von Kapital mit Nachhaltigkeitszielen. Solche Papiere prägten die Erwartungen ganzer Branchen, und genau deshalb lohnt der Rückblick.

Die Trennlinie zwischen tragfähiger Prognose und Fehleinschätzung lief nicht entlang der Themen, sondern entlang einer Frage: Beruhte die Verschiebung auf einer Beschränkung oder auf einem gelösten Problem? Wo eine Beschränkung wegfiel, kehrte das Verhalten überwiegend zurück. Wo das Neue tatsächlich besser funktionierte als das Alte, blieb es, auch dann, wenn niemand mehr dazu gezwungen war.

Am deutlichsten zeigt sich das an den Modellen, die den Ausnahmezustand selbst zur Grundlage gemacht hatten: Heimfitnessgeräte im Abonnement, Kochboxen in Pandemiestückzahlen, Anbieter von Videokonferenzsoftware mit Bewertungen, die eine dauerhafte Vollauslastung voraussetzten. Nach den Öffnungen normalisierte sich die Nachfrage deutlich schneller als die dafür aufgebauten Kapazitäten.

Fernarbeit: die Verschiebung, die in Verträge einzog

Vor 2020 war Arbeiten von zu Hause in Deutschland die begründungspflichtige Ausnahme; eine Besprechung per Videokonferenz war ein Ereignis. Innerhalb weniger Wochen wurde beides Standard, weil es keine Alternative gab. Bemerkenswert ist nicht dieser Sprung, sondern was danach nicht mehr zurückging: Die Vollzeitpräsenz aller Beschäftigten an allen Tagen ist in vielen Bürobranchen nicht wiedergekehrt.

Diese Form hat sich in Strukturen niedergeschlagen und ist deshalb stabil. Sie steht in Anstellungsverträgen und Betriebsvereinbarungen, sie beeinflusst Mietentscheidungen über Bürofläche, und sie hat Budgets für Software geschaffen, die es 2019 nicht gab. Zugleich hat sie den Arbeitsmarkt geöffnet: Wer nur zwei Tage im Büro sein muss, kann weiter entfernt wohnen, was Bewerberkreise vergrößert und Ballungsräume entlastet. Der Gegeneffekt sind Innenstädte, deren Mittagsgastronomie und Einzelhandel auf fünf Bürotage kalkuliert waren.

Was Digitalisierung war und was Transformation

Die Pandemie hat die Begriffe durcheinandergebracht. Ein Amt, das sein Formular als PDF zum Herunterladen anbietet, hat einen Ablauf digitalisiert; ein Vorgang, der ohne Formular auskommt, weil die benötigten Angaben bereits vorliegen, ist neu geordnet. Das Erste ist Optimierung, das Zweite Transformation. Was in den Pandemiejahren überwiegend geschah, war das Erste, weil dafür die Zeit reichte.

Sichtbar wurde das an den Stellen, an denen es nicht funktionierte: bei Schulen ohne Endgeräte, bei Gesundheitsämtern, die Meldungen per Fax weiterreichten, bei Antragsverfahren, die eine Unterschrift auf Papier verlangten. Die Erfahrung hat Investitionen ausgelöst, die vorher regelmäßig verschoben wurden. Ob daraus neu geordnete Abläufe entstanden oder nur schnellere Versionen der alten, ist je nach Bereich unterschiedlich beantwortet worden.

Onlinebildung: der Bereich mit dem größten Unterschied zwischen Zielgruppen

Kaum ein Feld wuchs so schnell und so ungleich wie das digitale Lernen. Für erwachsene Lernende mit klarem Ziel, etwa einer Sprache, einer Zertifizierung oder einer beruflichen Weiterbildung, ist Fernunterricht seither eine gleichwertige Option, oft die bessere: zeitlich flexibel, ortsunabhängig und für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugänglicher als ein Seminarraum. Der Markt für Plattformen und Kurse ist entsprechend gewachsen und nach den Öffnungen nicht eingebrochen.

Für Schulen fällt die Bilanz anders aus. Jüngere Kinder lernen im Distanzunterricht nachweislich schlechter, und die Unterschiede folgten der häuslichen Ausstattung: eigener Arbeitsplatz, verfügbares Gerät, Eltern mit Zeit und Sprachkenntnissen. Was als technische Frage begann, wurde damit zu einer Frage der Bildungsgerechtigkeit, und ist der Grund, warum in dieser Zeit auch Schulschließungen selbst zum Gegenstand der Debatte wurden, in der Kulturbranche wie in der Politik.

Der Preis: Angriffsflächen statt Bürowände

Verteiltes Arbeiten verlagerte Unternehmensdaten in Heimnetze und teils auf private Geräte. Die Folge waren deutlich mehr Cyber-Angriffe auf Unternehmensnetze. Phishing knüpfte gezielt an die neuen Abläufe an: Eine E-Mail über ein Zugangsproblem im Videokonferenzsystem war in dieser Zeit vollkommen plausibel, weil solche Probleme täglich vorkamen.

Aus diesem Anstieg wurde ein fester Kostenblock. Mehr-Faktor-Anmeldung, Geräteverwaltung, Zugriffsrechte, Schulungen und Notfallpläne gehören seither zur Grundausstattung auch mittelgroßer Betriebe. In Bilanzen erscheint das als Aufwand für IT-Sicherheit; wirtschaftlich sind es Kosten des verteilten Arbeitens, die in den Effizienzrechnungen der ersten Pandemiemonate niemand angesetzt hatte.

Nachhaltigkeit: Programmatik und Praxis

In der Programmatik gewann Nachhaltigkeit deutlich: Europa knüpfte einen erheblichen Teil seiner Wiederaufbaumittel an Klimaziele, und Investoren fragten Nachhaltigkeitsberichte in einer Detailtiefe ab, die vorher unüblich war. Wer Kapital wollte, brauchte eine Antwort auf diese Fragen, unabhängig davon, wie überzeugend sie ausfiel.

Die betriebliche Praxis fiel gemischter aus. Reisen und Pendelstrecken entfielen großflächig, was Emissionen senkte. Gleichzeitig stiegen Einwegverpackungen, Hygieneartikel und Versandvolumen erheblich, sodass die Entlastung an einer Stelle durch eine Belastung an anderer erkauft war. Belastbare Gesamtbilanzen sind entsprechend schwierig, und Aussagen über eine grünere Wirtschaft nach der Pandemie halten der Prüfung meist nur für den Teilbereich stand, den sie betrachten. Branchenweise Zahlen dazu stehen im Strang zur Wirtschaft.

Häufige Fragen zu den Geschäftsmodellen nach der Pandemie

Welche Verschiebung der Pandemiejahre hatte den meisten Bestand?

Das verteilte Arbeiten. Nicht in der Form von 2020, als ganze Belegschaften zu Hause saßen, sondern als Mischform mit wenigen festen Bürotagen. Sie hat sich in Anstellungsverträgen, Mietentscheidungen und Softwarebudgets niedergeschlagen und ist damit schwerer rückabzuwickeln als eine Gewohnheit.

Was hat sich als Momentaufnahme erwiesen?

Vor allem Modelle, die den Ausnahmezustand selbst zur Grundlage machten: Heimfitnessgeräte im Abonnement, Kochboxen in Pandemiestückzahlen, Videokonferenzanbieter mit Bewertungen, die dauerhafte Vollauslastung voraussetzten. Nach den Öffnungen normalisierte sich die Nachfrage schneller als die Kapazitäten.

Was bedeutet digitale Transformation in diesem Zusammenhang?

Nicht die Digitalisierung eines bestehenden Ablaufs, sondern seine Neuordnung. Ein Formular als PDF zum Download ist Optimierung; ein Vorgang, der ohne Formular funktioniert, ist Transformation. Die Pandemie erzwang überwiegend das Erste und zeigte, wo das Zweite gefehlt hätte.

Was hat verteiltes Arbeiten gekostet?

Vor allem Sicherheit. Mit der Verlagerung in Heimnetze und auf private Geräte nahmen Angriffe auf Unternehmensnetze deutlich zu; Phishing knüpfte an die neuen Abläufe an, weil eine E-Mail über ein Zugangsproblem in dieser Zeit plausibel war. Der Aufwand für Absicherung wurde damit zu einem festen Kostenblock.

Wurde Nachhaltigkeit durch die Pandemie wichtiger?

In der Programmatik ja: Europa knüpfte einen erheblichen Teil seiner Wiederaufbaumittel an Klimaziele. In den Betrieben war der Effekt gemischt: Reisen und Pendelstrecken fielen weg, gleichzeitig stiegen Einwegverpackungen, Hygieneartikel und Versandvolumen deutlich an.